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Eriol

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1

Sonntag, 2. Juni 2013, 16:39

Zukunft war gestern

Das SZ Magazin beschäftigte sich am 31.5.13 mit der Frage, warum in der aktuellen phantastischen Kino- und Literaturszene die SF keine Rolle mehr spiele und von der Fantasy (u.a. Tolkien) abgelöst worden sei: So seien "kollektive Ängste der wichtigste Motor für die Gestaltung des Fantastischen".
In der SF des 20. Jahrhunderts seien dies (1) das Unbehagen angesichts einer vollständigen Erfassung des Menschen durch eine politische Macht, (2) die Sorge um die Vernichtung der Welt und schließlich (3) das Verhältnis von Mensch und künstlicher Intelligenz.
Diese Fragen würden heute keine Rolle mehr spielen. Vielmehr würde die Fantasy heute durch die "Totalität eines Weltentwurfs", der Raum für Identifikation und Gemeinschaft biete, die Angst vor sozialer Vereinzelung bedienen.

Olwe

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2

Sonntag, 2. Juni 2013, 21:53

Ohne den Artikel gelesen zu haben - sicherlich eine interessante Schlußfolgerung, der ich mich aber nicht anschließen will. Sie hängt mir zu sehr in der "Eskapismus"-Ecke, die seit Anbeginn der Zeiten aufgemacht wurde - und übersieht auch, dass es gerade Sci-Fi-Filme und Serien sind, die in den letzten Jahren große Erfolge feiern. Jetzt könnte man natürlich argumentieren, dass Star Wars auch nur der Herr der Ringe in schlecht sei - aber das geht ja auch am Ziel vorbei. Die Sci-Fi-Literatur, die so viel bewegt hat und die es auch weiterhin gibt, scheint nur aufgrund der technologischen Allumfassenheit nicht mehr relevant zu sein - und das ist eine fürchterliche Vorstellung, denn gerade die Gefahren der Technologie sind es, die uns vermutlich in Schwierigkeiten stürzen werden (abgesehen von Religionen, dem Kampf um Ressourcen oder einer Kranhkeit.)

UPDATE: Habe ihn jetzt gelesen (und den "ersten Satz"-Fehler überlesen ;)) und bleibe bei obigem Urteil. Der Vorwurf, die Gegenentwürfe in Fantasywelten würden heute in den 'communities' im Kampf gegen die Vereinzelung 'erlebt', übersieht auch vollkommen, dass spätestens seit den 1930ern eben durch die Science Fiction diese gemeinschaftlichen Gruppierungen entstanden, um einem nicht-gesellschaftskonformen Gemeinschaftsdenken Vortrieb zu leisten. Allerdings könnte es durchaus sein, dass die Generation, die nach dem Mauerfall geboren wurde, tatsächlich diese Dynamik entwickelt - was auch erklären würde, warum es oftmals starke Reibungspunkte zwischen "Alten" und "Neuen" in den 'communities' gibt bzw. neue 'communities' mit Argusaugen beobachtet werden.

Wer ihn lesen möchte: http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/…nft-war-gestern
Greetz
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Luke

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3

Montag, 3. Juni 2013, 15:07

Ich glaube auch nicht, dass der Artikel mit seiner Schlussfolgerung ganz richtig liegt, v.a. auch aus deinen genannten Gründen, Olwe.
Was ich aber schon glaube (zumindest hab ich so den Eindruck), ist, dass zur Zeit diese Haltung vorherrscht, sich mit irgendwas, irgendeiner Gruppe
identifizieren zu wollen (Daher, glaube ich, auch das Revival des "Heimatkrimis"). Vielleicht sind bestimmte Arten von Sci-Fi deswegen nicht mehr so
aktuell, weil viele davon in einer Welt spielen, in der Unterscheidung oder Identifikation zugunsten von übergeordneten Idealen (auch fehlgeleiteten) oft zurückgedrängt sind.
Aber das ist nur meine Meinung, wie ich mir das erklären könnte ...
"Und jetzt schwebe ich auf meinem fliegenden Besen ins Paradies und beobachte das Treiben der Tyrannen auf der Erde, während ich mir den Wanst mit Popcorn voll schlage."
- Anonymus -

Éodurys

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4

Donnerstag, 20. Juni 2013, 20:51

Ehrlich gesagt, weiß ich gar nicht, was mir der Artikel sagen will. Als ich die letzten beiden Male im Kino war (Great Gatsby und Star Trek Into Darkness, beide Großartig!), habe ich mindestens zur hälfte SciFi Previews gesehen, so tot sceint mir dieses Genre nicht zu sein, zumindest nicht auf der Leinwand. Natürlich ist die Vorschauauswahl immer auf den Hauptfilm zugeschnitten, aber trotzdem ist die Präsenz von SciFi nicht zu leugnen...

Ich könnte mir jedoch noch einen anderen Grund vorstellen, der zu einer derartigen These führen könnte: ich sehe das Community Phänomen nicht so ausdrücklich auf Fantasy Seite, das hält sich doch ziemlich die Balance, aber Fantasy bietet zur Zeit etwas, was SciFi nicht kann: Alternative Ästhetik bieten. Ich glaube noch nie zuvor ist die Ästhetik einer Zeit ihren eigenen Vorstellungen von Futurismus so gleich gekommen. Es gibt einen sehr interessanten, wenn auch aus meiner Sicht diskussionswürdigen Artikel von Wolfgang Welsch, ich glaube 2012 erschienen, der die Überästhetisierung hauptsächlich in der Architektur anprangert. (damit Verweis aufs Bauhaus, als es schon einmal diese Nähe von futuristischer und alltäglicher Ästhetik gab)
Nur so als Hinweis, könnte man sich in diesem Zusammenhang ja mal durchlesen.
Bei meiner Borke, was ist eine Signatur?

Thror

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5

Freitag, 21. Juni 2013, 13:50

Jetzt könnte man natürlich argumentieren, dass Star Wars auch nur der Herr der Ringe in schlecht sei - aber das geht ja auch am Ziel vorbei.
So kann man argumentieren? :imtee:
schöner Gruß vom
Niederrhein

Luke

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6

Samstag, 22. Juni 2013, 09:14

Zitat

So kann man argumentieren? :imtee:
Diese Frage hab ich mir auch schon gestellt ... :gruebel: Abgesehen mal vom Mentor mit "Zauberkräften", der im ersten Drittel stirbt und am Ende wieder auftaucht ... :gandw: :grin:
Ah ja, und, wie mir grade auffällt, genau wie bei Harry Potter (siehe den Vortrag vom Seminar 2012 über dHdR und HP).
Ist nicht irgendwie alles "Der Herr der Ringe in schlecht"? :nasty:
"Und jetzt schwebe ich auf meinem fliegenden Besen ins Paradies und beobachte das Treiben der Tyrannen auf der Erde, während ich mir den Wanst mit Popcorn voll schlage."
- Anonymus -

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Luke« (22. Juni 2013, 09:24)


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7

Montag, 24. Juni 2013, 10:54

Naja, offiziell müssen wir diese Position als Mitglieder der Deutschen Tolkien Gesellschaft ja vertreten ... :D
Marie-Noelle
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Sei reizend zu Deinen Feinden. Nichts ärgert sie mehr.
(Carl Orff)

Eriol

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8

Montag, 24. Juni 2013, 11:26

Ah ja, und, wie mir grade auffällt, genau wie bei Harry Potter (siehe den Vortrag vom Seminar 2012 über dHdR und HP).
Ist nicht irgendwie alles "Der Herr der Ringe in schlecht"? :nasty:

Ob der "Herr der Ringe" wirklich für alle Zeiten der allein gültige Bewertungsmaßstab für "gute" bzw. "schlechte" phantastische Literatur ist, habe ich schon früher problematisiert und in Frage gestellt. Ehrlich gesagt, stehe ich heute in etwas kritischer Distanz zu Tolkien und finde viele neuere Entwicklungen weitaus spannender oder zumindestens dem "Herrn der Ringe" absolut ebenbürtig, sei es die "Harry Potter"-Septologie oder seien es Walter Moers' kongeniale Zamonien-Romane. Ich lade alle, die mit mir darüber diskutieren (und streiten) wollen, zu meinem Vortrag auf dem Thing ein, der sich mit dem Thema beschäftigen wird. :D

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9

Montag, 24. Juni 2013, 15:31

Da freue ich mich schon drauf, Eriol!
Marie-Noelle
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Sei reizend zu Deinen Feinden. Nichts ärgert sie mehr.
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