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Eriol

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1

Donnerstag, 18. Juli 2013, 13:00

Was Sprachenerfinder antreibt

Ein Artikel in der Welt vom 17.7.13:

http://www.welt.de/regionales/hamburg/ar…r-antreibt.html

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2

Donnerstag, 18. Juli 2013, 13:43

Auch gesehen. Ich finde allerdings nicht, dass man Tolkien als einen Außenseiter bezeichnen kann ... Vielleicht ist er ja die Ausnahme, die die Regel bestätigt?
Marie-Noelle
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Ciriel

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3

Freitag, 19. Juli 2013, 08:04

Außenseiter finde ich auch nicht passend, aber es stimmt schon, dass Sprachen "alleine" ausgearbeitet werden und nicht von Gruppen. Das hängt aber sicherlich mit den Vorstellungen des Erfinders und auch mit der Komplexität von Sprache zusammen. Da sich etwas gemeinsam auszudenken, ist wahrscheinlich einfach sehr schwierig.
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Luke

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4

Freitag, 19. Juli 2013, 09:21

Ich führe einfach mal als einzelnes Gegenbeispiel eine Sprache an, die ich vor einiger Zeit tatsächlich zusammen mit jemand anderem entwickelt habe. Inwieweit sowas häufiger vorkommt, weiß ich natürlich nicht.
Außerdem kenne ich sonst noch jemanden persönlich, der mal versucht hat, sich eine Sprache bzw. ein Schriftsystem auszudenken.
Ich glaube nicht, dass diese Leute so selten sind, und auch nicht, dass sie das nur im stillen Kämmerlein betreiben.
Vor einiger Zeit sah ich mal eine sehr schöne Sprache samt Schriftsystem und Hintergrundgeschichte auf einer eigenen Website. Ich denke einfach (natürlich weiß ich es nicht genau), dass sich
diese Leute eher untereinander im Internet austauschen.
Es gibt ja auch das Weltenbastler-Forum, in denen auch sehr viele erfundene Sprachen (hauptsächlich für Roman- oder Rollenspielwelten) vorgestellt und diskutiert werden. Es gibt da sogar ein Tutorial zum "Sprachenbasteln".
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Eriol

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5

Freitag, 19. Juli 2013, 09:56

Interessanter als die Außenseiter-These (wobei man Tolkien wohl nicht unrecht tut, wenn man ihn als verschroben bezeichnet), finde ich folgende Aussage des Linguisten:

Erfundene Sprachen sind Alternativen zum herrschenden Denken und Sprechen.

Da fallen mir gleich Verbindungen zur neuhumanistischen Sprachtheorie Wilhelm von Humboldts ein, in der dem Erlernen von Sprachen (paradigmatisch Griechisch und Latein, im Prinzip hält Humboldt aber jede Sprache für gleichrangig) eine entscheidende Rolle zukommt, um das Selbst- und Weltverständnis eines Indidviduums zu erweitern und seine Menschlichkeit zu entwickeln. Deshalb ist der Siegeszug des Englischen als neue "lingua franca" auch durchaus ambivalent zu betrachten, geht doch mit jeder Sprache, die verschwindet, auch eine bestimmte Art zu denken verloren.

Tolkien ist sich dessen bei seiner Sprachkonstruktion bestimmt bewußt gewesen.

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6

Freitag, 19. Juli 2013, 13:06

Ja, den Ansatz Sprachen zu erfinden, in denen es keine Worte für böse Dinge gibt, find ich auch spannend, aber dann doch irgendwie sehr 1984 ... Ich fürchte die Dinge lassen sich nicht einfach aus der Welt schaffen, indem es keine Worte mehr dafür gibt. Siehe z.B. die vielen Worte für Schnee der Inuit. Obwohl wir nur einen Namen dafür haben, gibt es die restlichen Schnee-Zustände trotzdem.
Marie-Noelle
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Luke

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7

Freitag, 19. Juli 2013, 16:27

Also ich hab mal gehört, das mit dem Schnee sei nur ein weitverbreiteter Irrtum. Tatsächlich sind die Sprachen der Inuit vom Satzbau her so, dass man mehrere Attribute in einem Wort verstauen kann. Deswegen hört es sich für uns so an, als gäbe es endlos viele Wörter für Schnee, tatsächlich sind es aber nicht mehr als bei uns auch.
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8

Freitag, 19. Juli 2013, 18:32

Gehen wir von dem berühmten Schnee-Beispiel mal aus (unabhängig vom Wahrheitsgehalt), so bestreite ich als alter Konstruktivist Canamarths Aussage, die Schneezustände gebe es unabhängig von der sprachlichen Benennung eines menschlichen Sprechers. Die Sprache formt, was wir erkennen können und was nicht. Und für uns "gibt" es keine weitere Differenzierung von "weiß", wir können diese also auch nicht wahrnehmen (und tun es ja auch nicht). Außerhalb der Sprache gibt es keine Welt von uns. Ohne erkennendes Subjekt kein zu erkennendes Objekt.
Aber das, um zum eigentlichen Thema zurückzukommen, ist ja gerade das Schöne an einer erfundenen Sprache wie des Elbischen (wie an jeder echten Sprache): Sie erweitert die Welt um eine weitere Perspektive der Wahrnehmung, die ohne sie nicht da wäre. Und ist das nicht auch der tiefste Ausdruck der Tolkienschen Sprachspiele?

Luke

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9

Samstag, 20. Juli 2013, 08:56

Klar, derselben Meinung bin ich auch.
Immerhin gibt es durchaus auch wahre Beispiele, die bestätigen, dass Sprache eine andere Wahrnehmungsperspektive hervorbringt (oder durch sie hervorgebracht wird).
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- Anonymus -

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10

Montag, 29. Juli 2013, 15:50

Gehen wir von dem berühmten Schnee-Beispiel mal aus (unabhängig vom Wahrheitsgehalt), so bestreite ich als alter Konstruktivist Canamarths Aussage, die Schneezustände gebe es unabhängig von der sprachlichen Benennung eines menschlichen Sprechers. Die Sprache formt, was wir erkennen können und was nicht. Und für uns "gibt" es keine weitere Differenzierung von "weiß", wir können diese also auch nicht wahrnehmen (und tun es ja auch nicht). Außerhalb der Sprache gibt es keine Welt von uns. Ohne erkennendes Subjekt kein zu erkennendes Objekt.


Spannende und valide Thesen. Ich persönlich gehe halt einfach nicht davon aus, dass die Welt nur das ist, was wir wahrnehmen und verstehen, und damit auch in Sprache fassen können.
Marie-Noelle
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