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Begas

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Sonntag, 31. August 2014, 11:18

Designer der deutschen Tolkien-Buchcover

Von den deutschsprachigen Tolkien-Fans nicht selten viel gescholten, soll es in diesem Thread um die deutschen Designer der Cover von J. R. R. Tolkiens Büchern gehen. Im folgenden habe ich, in Fleißarbeit, eine Liste mit den mir bekannten deutschen Grafikdesignern aufgestellt und ihnen die entsprechenden Ausgaben zugeordnet, deren Cover sie mit ihrer künstlerischen Arbeit gestaltet haben. Ich habe dabei auf die Nennung verlagsinterner Grafikabteilungen und Agenturen verzichtet. Ich würde gerne wissen, wessen Arbeit ihr besonders schätzt oder auch nicht. Gibt es Cover, die euch besonders ansprechen, verwirren euch die Motive mancher Umschläge, würden sie euch als Erstleser der Werke J. R. R. Tolkiens vielleicht sogar abschrecken? Über die Designer selber kann natürlich auch diskutiert werden. Ist innerhalb der Covergestaltungen eine künstlerische Entwicklung erkennbar, kennt ihr andere Arbeiten der Designer und seht ihr künstlerische Verbindungen zu den Umschlaggestaltungen? Ich hoffe auf eine rege Beteiligung. Sollten in der von mir angelegten Liste Namen oder Ausgaben fehlen, dann bitte ich um Mitteilung. :smile:

Hardcover blau; Taschenbücher/broschierte Ausgaben grün

Motiv und Umschlaggestaltung (+); Motiv (-)

Richard „Horus“ Engels (1914–1991)

Adolf Oehlen (1914–1972)

Heinz Edelmann (1934–2009)
  • J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe, Stuttgart 1969–70. +
  • J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe, Stuttgart 1972. +
  • J. R. R. Tolkien: Fabelhafte Geschichten, Stuttgart 1975. +
  • J. R. R. Tolkien: Das Silmarillion. Herausgegeben von Christopher Tolkien, Stuttgart 1978. +
  • J. R: R. Tolkien: Der Herr der Ringe: Anhänge und Register, Stuttgart 1978. +
  • J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe, Stuttgart 1980. +
  • J. R. R. Tolkien: Das Silmarillion. Herausgegeben von Christopher Tolkien, Stuttgart 1982 (weiße Reihe). +
  • J. R. R. Tolkien: Nachrichten aus Mittelerde. Herausgegeben von Christopher Tolkien, Stuttgart 1983 (weiße Reihe). +
  • J. R. R. Tolkien: Das Buch der Verschollenen Geschichten, Band 1. Herausgegeben von Christopher Tolkien, Stuttgart 1986 (weiße Reihe). +
  • J. R. R. Tolkien: Das Buch der Verschollenen Geschichten, Band 2. Herausgegeben von Christopher Tolkien, Stuttgart 1987 (weiße Reihe). +
  • J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe, Stuttgart 1987 (weiße Reihe) (ab 2002 im Schuber). +
  • J. R. R. Tolkien: Die Ungeheuer und ihre Kritiker. Gesammelte Aufsätze. Herausgegeben von Christopher Tolkien, Stuttgart 1987 (weiße Reihe). +
  • J. R. R. Tolkien: Das Silmarillion. Herausgegeben von Christopher Tolkien, Stuttgart 1987 (Sonderausgabe). +
  • J. R. R. Tolkien: Fabelhafte Geschichten, Stuttgart 1988 (Sonderausgabe). +
  • J. R. R. Tolkien: Briefe. Herausgegeben von Humphrey Carpenter, Stuttgart 1991 (weiße Reihe). +

Klaus Ensikat (1937–)
  • J. R. R. Tolkien: Der kleine Hobbit, Recklinghausen/Ost-Berlin 1971. +
  • J. R. R. Tolkien: Der kleine Hobbit, Stuttgart 1971 (Lizenzausgabe Deutscher Bücherbund). +
  • J. R. R. Tolkien: Der kleine Hobbit, Gütersloh 1971 (Lizenzausgabe Bertelsmann Club). +
  • J. R. R. Tolkien: Der kleine Hobbit, München 1974 (Lizenzausgabe Deutscher Taschenbuchverlag). -
  • J. R. R. Tolkien: Der kleine Hobbit, Frankfurt am Main 1995 (Lizenzausgabe Büchergilde Gutenberg). +
  • J. R. R. Tolkien: Der kleine Hobbit, Hamburg 1995 (Lizenzausgabe Cecilie Dressler Verlag). -
  • J. R. R. Tolkien: Der kleine Hobbit, München 1995 (dtv junior). -
  • J. R. R. Tolkien: Der kleine Hobbit, München 1997 (dtv junior) (grün). -
  • J. R. R. Tolkien: Der kleine Hobbit, München 1997 (dtv junior) (weiß). -
  • J. R. R. Tolkien: Der kleine Hobbit, München 2002 (dtv junior Klassiker). -
  • J. R. R. Tolkien: Der kleine Hobbit, München 2011 (dtv junior Klassiker). -
  • J. R. R. Tolkien: Der kleine Hobbit, München 2012 (dtv junior). +

Dietrich Ebert (1948–)
  • J. R. R. Tolkien: Die Abenteuer des Tom Bombadil, Klett-Cotta, Stuttgart 1984. +
  • J. R. R. Tolkien: Gute Drachen sind rar, Klett-Cotta, Stuttgart 1984. +
  • J. R. R. Tolkien: Die Geschichte des Großen Ringkrieges, Stuttgart 1997. +
  • J. R. R. Tolkien: Der Hobbit, Stuttgart 1998. +
  • J. R. R. Tolkien: Das Silmarillion, Stuttgart 1999. +
  • J. R. R. Tolkien: Nachrichten aus Mittelerde, Stuttgart 1999. +
  • J. R. R. Tolkien: Das Buch der Verschollenen Geschichten, Band 1, Stuttgart 1999. +
  • J. R. R. Tolkien: Das Buch der Verschollenen Geschichten, Band 2, Stuttgart 1999. +
  • J. R. R. Tolkien/Wolfgang Krege: Die Sagen von Mittelerde, Stuttgart 1999. +
  • J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe, Stuttgart 2000. +
  • J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe, Stuttgart 2000. +
  • J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe: Anhänge und Register, Stuttgart 2000. +
  • J. R. R. Tolkien: Beowulf, Stuttgart 2001. +
  • J. R. R. Tolkien: Briefe. Herausgegeben von Humphrey Carpenter, Stuttgart 2002. +
  • J. R. R. Tolkien: Sir Gawain und der Grüne Ritter, Stuttgart 2004. +
  • J. R. R. Tolkien: Das Silmarillion, Stuttgart 2005. (?) +
  • J. R. R. Tolkien: Nachrichten aus Mittelerde. Herausgegeben von Christopher Tolkien, Stuttgart 2005. (?) +
  • J. R. R. Tolkien: Der Hobbit, Gütersloh 2008 (Lizenzausgabe Bertelsmann Club). -

Heinrich Thomas

Friedrich Hechelmann (1948–)

Anke Doberauer (1966–)

Rüdiger Trebels

Birgit Gitschier

Maximilian „Max“ Meinzold (1987–)
  • J. R. R. Tolkien: Der Hobbit, Stuttgart 2010. -
  • J. R. R. Tolkien: Der kleine Hobbit, München 2012. -
  • J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe, Stuttgart 2013. -
  • J. R. R. Tolkien: Das Silmarillion, Stuttgart 2013. -
  • J. R. R. Tolkien: Der Hobbit, Stuttgart 2013 (Kinder- und Jugendbuchausgabe). -

Stefan Hilden (1967–)
"[...] und ich übersetzte, besessen von dem Gedanken, daß dieses Buch für Zuhörer war und nicht für Leser, daß auch nicht eine Zeile
druckfertig Stilisiertes sein durfte, sondern alles Erzählung sein müsse und Bild um Bild sichtbar vorüberzuziehen hätte."

- Walter Scherf (1920-2010) über seine Übersetzung von The Hobbit.

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Luke

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Sonntag, 31. August 2014, 12:07

Vielen, vielen Dank, Begas, für die wunderbare Übersicht!
Da kann ich auch endlich mal fundiert mitreden ... :roll:
Also ich würde sagen, alle Titelillustrationen bis einschließlich 2001 sind sehr gut gelungen und beleuchten interessanterweise auch unterschiedliche Aspekte.
Die Qualität der grafischen Gestaltung hingegen variiert schon sehr stark. Ich persönlich als Liebhaber schlichter, einfarbiger Entwürfe mag natürlich besonders die allererste Ausgabe.
Die Illustrationen von Ensikat mag ich eigentlich auch sehr gerne, Smaug mit Schmetterlingsflügeln oder Gollum als Kröte sind für mich völlig in Ordnung, aber das Layout des Covers ist schlimm. Die Ensikat-Ausgabe der Büchergilde ist da natürlich schöner.
Die Büchergilde-Ausgabe von '84 kannte ich gar nicht, danke dafür! Recht schön gemacht mit dem lebendigen Rankenwerk, aber die bewusst gekritzelte Typografie will für mich nicht wirklich zu Tolkien und seinem Werk passen, der in dieser Hinsicht vermutlich eher "konservativ" war.

Die neueren Entwürfe ab 2010 etwa sind hingegen eine Katastrophe, wenn man mich fragt - im Bezug auf die Illustrationen, auf die Typografie, die Grafik, einfach alles. Das hat jetzt nichts mit Unvereinbarkeit mit Tolkiens Werk mehr zu tun, sondern diese Cover sind halt einfach schlecht und wären selbst für den billigsten Völkerroman-Trash noch beschämend.
"Und jetzt schwebe ich auf meinem fliegenden Besen ins Paradies und beobachte das Treiben der Tyrannen auf der Erde, während ich mir den Wanst mit Popcorn voll schlage."
- Anonymus -

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Luke

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Sonntag, 31. August 2014, 12:20

Außerdem, fällt mir grade ein, ist Horus Engels der einzige mir bekannte Illustrator, der Gandalf seiner Beschreibung im Hobbit entsprechend dargestellt hat:

Zitat

But Gandalf looked at him from under long bushy eyebrows that stuck out further than the brim of his shady hat.

:gandg: :D
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- Anonymus -

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Sonntag, 31. August 2014, 13:46

Danke Luke, für deine Beiträge und das Lob!

Ja, ich bin auch kein sonderlicher Freund der neueren Cover. Sie sind zwar von ihrer Grundidee sehr schön, da angelehnt an Jugendstilmotive, aber sie gehen doch zu sehr ins Comichafte. Mir persönlich zu modern sind insbesondere Max Meinzolds Umschlaggestaltungen, da sie merklich durch die Filme beeinflusst wurden. Ein Beitrag dazu, wie das Cover für den Hobbit von 2010 entstanden ist, wurde übrigens in einer Tolkien Times abgedruckt.

Ich bin persönlich ein Freund von Dietrich Eberts Covern, wie er sie in den 80ern und 90ern geschaffen hat. Eines meiner Lieblingscover von ihm ist das der 99er Ausgabe von Nachrichten aus Mittelerde (Siehe hier!). Sehr schön übrigens auch Der Tolkien-Kalender 1986 – Ansichten von Mittelerde von seiner Hand (Siehe hier!). Ich bin auch stolzer Besitzer einer Postkarte mit dem Coverbild des Kalenders, weil ich Herrn Ebert vor geraumer Zeit mal angeschrieben habe.
"[...] und ich übersetzte, besessen von dem Gedanken, daß dieses Buch für Zuhörer war und nicht für Leser, daß auch nicht eine Zeile
druckfertig Stilisiertes sein durfte, sondern alles Erzählung sein müsse und Bild um Bild sichtbar vorüberzuziehen hätte."

- Walter Scherf (1920-2010) über seine Übersetzung von The Hobbit.

Luke

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Sonntag, 31. August 2014, 14:24

Stimmt, Jugendstil ist prinzipiell mal keine schlechte Wahl, da man ja auch Parallelen von Tolkien zum Jugendstil finden kann. Nur bei den aktuellen Covern wird da einfach zu wild gemixt, es ist ja eine wahre Formenorgie ohne Sinn und Verstand. Ich möchte an dieser Stelle auch noch auf das "Große Hobbit-Buch" hinweisen. Ich hab mich vor Freude fast überschlagen, als ich es mal im Buchladen stehen sah und herausfand, dass es in meiner Lieblingsschrift, der Joanna gesetzt war! Eric Gill, der Gestalter dieser Schrift, war sehr der Arts-&-Crafts-Bewegung verbunden, auch hier kann man Parallelen zu Tolkien ziehen. Hammond & Scull schreiben z.B., dass er ein Freund von Gills Schrift Perpetua war. Das sind immer diese Kleinigkeiten, an denen man erkennt, dass da jemand dahintersaß, der sich tatsächlich Gedanken gemacht hat!
Oh ja, das von dir verlinkte Cover ist wirklich wunderschön! Ebenso der Kalender. Er fängt, wie ich finde, sehr gut das patinahafte, graue, unklare des Herrn der Ringe auf. Ebenso rückt er die Landschaften in den Mittelpunkt, wie Tolkien es auch oft tut!
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Sonntag, 31. August 2014, 14:44

Dem stimme ich zu. Die Designs der neueren Ausgaben stellen x-fache Mixturen von verschiedenen Stilelementen dar. Das ist einfach nicht Tolkien! Alles zu bunt, zu übertrieben, zu prunkvoll. Das Cover von Das Große Hobbit-Buch ist dagegen wirklich wohltuend schlicht und zurückhaltend, da hast du recht. Ich kenne mich persönlich leider nicht so mit Kalligraphie aus, aber wenn der Titel eines Buches direkt in einer sehr gefälligen Schrift gesetzt wurde, die das Design nicht dominiert, dann kann das nur vorteilhaft sein. Als Erkennungsmerkmal für ein Coverdesign Heinz Edelmanns, hatte dieser ja, zumindest kurzzeitig, den Namen J. R. R. Tolkiens in ein eigenes Design transferiert (Siehe hier!), das sehr Skizzen Tolkiens ähnelte.

Dietrich Eberts Werke haben in meinen Augen wirklich diese, von dir ja bereits angedeutete, Entrücktheit und Magie von Mittelerde. Was seine Arbeiten noch ausmacht ist, denke ich, dass er sich offensichtlich auch, wie man etwa an der Gestaltung des Orthanc sieht, vorher mit Tolkiens eigenen Illustrationen auseiandergesetzt hat.
"[...] und ich übersetzte, besessen von dem Gedanken, daß dieses Buch für Zuhörer war und nicht für Leser, daß auch nicht eine Zeile
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Sonntag, 31. August 2014, 14:53

Ja, diesen "J.R.R. Tolkien"-Schriftzug finde ich auch sehr schön, ich hab auch eine solche Ausgabe bei mir stehen. Genau, man merkt einfach, dass der Gestalter Respekt zeigt vor der Arbeit des Autors, indem er Elemente aus seinen eigenen Illustrationen aufgreift und weiterdenkt.
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Sonntag, 31. August 2014, 15:38

Womit ich ein Problem habe, ist das seit einigen Jahren praktizierte, plumpe Übernehmen von englischen oder amerikanischen Covern der Tolkien-Bücher auch hier in Deutschland (von den Film-Tie-Ins abgesehen). Ich verstehe zwar, dass man durch große Namen, wie John Howe und Alan Lee durchaus Kunden werben kann, und ich schätze die Arbeit der beiden sehr, aber dass Tolkien-Bücher international optisch zu einem Einheitsbrei werden, wäre doch sehr bedauernswert. Übrigens wurde vor kurzem in England eine Ausgabe des Hobbits mit Max Meinzolds Design verlegt. Andersherum geht es also auch.

Ich fände Covergestaltungen Anke Eißmanns einmal sehr interessant und auch wünschenswert, da sie ja durchaus bekannt ist und eine renommierte Illustratorin.
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Sonntag, 31. August 2014, 16:01

Ja, ich schätze, da macht man es sich eben einfach und profitiert ganz nebenbei auch noch vom Prestige eines Lee oder Howe. Ich finde das auch sehr schade, denn die Ästhetik, die die beiden pflegen, steht ja schon in sehr naher Verwandtschaft zu den Filmen, da sie da ja Concept Artists waren, und wenn ihre Arbeit auch technisch einfach perfekt ist, liefert sie eben nur diesen einen Zugang zu Tolkien. Da war früher wohl die Vielfalt größer.
Man beachte beispielsweise das absolut reduzierte Design der ersten deutschen Ausgabe, insbesondere die Typografie. Würde heute wohl keiner mehr drauf kommen, ein "Fantasy"-Buch so zu gestalten. In dieser Hinsicht war man früher manchmal weiter als heute, hab ich den Eindruck ...

So eine Ausgabe mit Illustrationen von Anke wäre natürlich der Hammer! (Nicht nur für sie und die Tolkien-Welt, sondern vielleicht auch für die DTG *hüstel*)
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Sonntag, 31. August 2014, 16:18

Die erste deutsche Ausgabe ist von ihrer Gestaltung her äußerst interessant, das simmt. Die Reduzierung auf das Wesentliche und vor allem die nüchterne Präsentation des Titels, wären heute ganz klar undenkbar. Ich muss zugeben, dass es mir schwer fällt aus den Motiven herauszulesen, was diese mit dem Inhalt der Bücher zu tun haben. Aber das Besondere und Interessante bei dieser Ausgabe ist, denke ich, eben dass das Design so allgemein und dekorativ gehalten ist, dass praktisch nichts aus den Büchern vorweggenommen wird, wie du ja bereits geschrieben hast.

Was dich eventuell interessieren wird, Luke, ich habe herausgefunden, dass ursprünglich nicht Heinz Edelmann, sondern Fritz Möser die HdR-Erstausgabe gestalten sollte. Zumindest war dies das Bestreben des Kulturkritikers und Tolkien-Kenners Hans-Jörg Modlmayr. Bei einem Telefonat hat er mir erzählt, dass er den damals zuständigen Redakteur des Ernst Klett Verlages, Dr. Hubert Arbogast, unbedingt dazu bringen wollte, dass Möser die Erstausgabe illustrieren durfte. Er konnte Dr. Arbogast jedoch nicht überzeugen, der Edelmann als Designer heranzog. Interessant, oder? Ich habe das Ganze auch in den Ardapedia-Arikel zu Hans-Jörg Modlmayr inkludiert. Fritz Mösers Linolschnitte, von denen Tolkien einige kannte, hätten der deutschen Erstausgabe natürlich einen ganz anderen Charakter gegeben.
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Sonntag, 31. August 2014, 18:20

Ist die Edelmann-Ausgabe diese?
Das ist allerdings interessant! Jedoch haben ja beide Künstler dieses blockige, plakative, möglicherweise (und im Fall von Edelmann eindeutig) zeittypische.
Du scheinst dich ja sehr intensiv mit der deutschen Rezeptionsgeschichte von Tolkiens Werk zu beschäftigen, was man auch an anderen Beiträgen von dir sieht. Vielleicht hast du ja mal Lust und schreibst einen Artikel für den Flammi?
(Éodurys und ich müssten ja eigentlich auch noch einen abliefern ...)
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Montag, 1. September 2014, 09:06

Genau, die Ausgabe ist es! Mösers Linolschnitte sollen Tolkien gefallen haben.

Zeittypisch ist Edelmanns Design in der Tat. Ich nehme an, dass der Ernst Klett Verlag sich bei seiner Wahl auch etwas von Edelmanns damaligerer Berühmtheit, die sich auf dem Film Yellow Submarine gründete, beeinflussen ließ. Anklänge an den Film sind ja insbesondere bei der Wahl der kräftigen Farben und Kontraste zu sehen. Tolkiens Wohlwollen hätten die Cover der Erstausgabe aber nicht gefunden. Als United Artists 1968 einen Film über Tolkien und seine Arbeit plante, sollte Heinz Edelmann die Designs beisteuern. Tolkiens Reaktion darauf war, dass er Edelmanns Bilder der niedrigsten Ebene widerlicher Vulgarität zuordnete (Christina Scull/Wayne G. Hammond: The J. R. R. Tolkien Companion and Guide, I Chronology, Eintragung für 31 December 1968).

Mir wurde von anderer Seite auch bereits geraten, einen Artikel zu schreiben, allerdings für die Hither Shore und zum Thema deutsche Übersetzung. Die Sache mit Fritz Möser wollte ich eigentlich über den Blog eines Bekannten aus Schweden publizieren, aber dieser ist derzeit mit seiner eigenen Forschung beschäftigt. Ich habe leider das Gefühl, dass mir die Literatur fehlt, auf der man einen vernünftigen Text aufbauen kann. Es gibt aber auch wirklich wenig. Darf ich fragen, zu welchem Thema du und Éodurys schreiben wolltet?
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Luke

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Montag, 1. September 2014, 11:41

Ich nehme an, dass der Ernst Klett Verlag sich bei seiner Wahl auch etwas von Edelmanns damaligerer Berühmtheit, die sich auf dem Film Yellow Submarine gründete, beeinflussen ließ.

Ja, das ist wohl sehr wahrscheinlich. War also früher auch nicht anders als heute. Während man also früher Tolkien mit Anklängen an diese Flowerpower-Ästhetik massenwirksam machen wollte, versucht man es heute mit Anklängen an Konsolen- und Rollenspiele. (Wobei diese ja ihrerseits schon von Tolkien beeinflusst waren)

Tolkiens Reaktion darauf war, dass er Edelmanns Bilder der niedrigsten Ebene widerlicher Vulgarität zuordnete

Hehe, wie hätte er dann wohl auf die aktuellen Entwürfe reagiert? :fies:

Naja, wenn du wenig Literatur dazu findest, dann hat das immerhin den Vorteil, dass du damit ein stückweit wissenschaftliches Neuland betrittst ... Ich glaube, bei solch einem Thema ist auch die Sekundärliteratur nicht so wichtig, da man sich ja mit den unteschiedlichen Editionen der Primärliteratur befasst.
Éodurys und ich arbeiten hin und wieder an einem, bzw. zwei Beiträgen zur Deutung der Architektur bei Tolkien und speziell im Herrn der Ringe.
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Olwe

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Montag, 1. September 2014, 13:26

Ich bin völlig hin und weg und begeistert - danke für diese Übersicht!

Und nein, ich werde mich nicht zu einer künstlerischen Bewertung herablassen ;) Naja, vielleicht später.

Weiter so!!!
Greetz
Marcel aka Olwe

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Begas

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Montag, 1. September 2014, 13:45

Danke, Olwe!

Ich nehme an, dass Tolkien auch hier klare Worte gefunden hätte. Ihn hätten aber bestimmt die Cover von Gitschier, Meinzold und Hilden besonders abgeschreckt.

Die Architektur ist ein spannendes Feld. Ich nehme an, dass ihr da auch vielfach Tolkiens Skizzen und Illustrationen zu Rate ziehen müsst, oder? Tolkiens entworfene Gebäude stehen ja im krassen Gegensatz zu den Umsetzungen in den Filmen. Ich finde zum Beispiel, dass Tolkiens Bruchtal wirklich ein "heimeliges Haus" darstellt. Es ist zwar nicht die im Text angedeutete elbische Zuflucht, aber mir gefällt es sehr.
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Luke

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Montag, 1. September 2014, 18:50

Bei diesen letzten drei scheint es sich ja auch um einen einheitlichen Entwurf zu handeln, der vorher festgelegt wurde und dann von drei verschiedenen Designern befolgt werden musste. Ich weiß nicht, inwieweit da also noch Persönliches der Entwerfer selbst drinsteckt. Wenn es sich doch nur um die Schrullen einer einzigen Ausgabe handeln würde!

Begonnen hatte unsere Beschäftigung mit dem Thema übrigens in diesem Thread.
Ja, richtig, seine Zeichnungen werden in gewissem Maße auch miteinbezogen. Mir ist beispielsweise eine Ähnlichkeit mit Architekturutopien von Tolkiens Zeitgenossen in den 20er Jahren aufgefallen. Da steht auch was dazu in dem oben verlinkten Thread.
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Dienstag, 2. September 2014, 09:30

Du hast natürlich recht, Luke, das Design für sich stammt von der Agentur HildenDesign und wurde jeweils mit den Illustrationen der jeweils oben angegebenen Designer umgesetzt (Stefan Hilden ist der Gründer dieser Agentur, Birgit Gitschier und Max Meinzold sind Mitglieder).

Die schlimmsten Cover aus der Designschmiede sind für mich eindeutig diese Ausgabe des Silmarillion (Siehe hier!) und die Kinder- und Jugendbuchausgabe des Hobbit (Siehe hier!). Und dann sag noch einer das Smaug-Cover der älteren dtv-Ausgaben sei unpassend! :skeptisch: Nichts gegen Max Meinzold, er hat künstlerisch einiges drauf, aber die Cover beweisen für mich, dass Grafikprogramme nicht alles sind. Ich vermisse bei dieser Art von glattgebügelter Darstellung einfach, dass man sieht, dass daran wirklich jemand gearbeitet hat. Wenn man dagegen die Designs Dietrich Eberts betrachtet, sieht man darin, welche verschiedenen Techniken er dort verwendet hat: Drucke, Collagen usw., bei Heinz Edelmann erkennt man die Arbeit in Aquarell oder mit Bleistift, bei Klaus Ensikat und Horus Engels die Verwendung von Feder und Tinte...

Weißt du, ob diese beiden Cover der broschierten Ausgabe von Das Silmarillion (Siehe hier!) und Nachrichten aus Mittelerde (Siehe hier!) von 2005 von Dietrich Ebert stammen?

Das Thema Architektur bei Tolkien bietet wirklich ein breites Diskussionsfeld. Ich werde mir den Thread auf jeden Fall durchlesen.
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Luke

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Dienstag, 2. September 2014, 09:59

Ohje, fürchterlich! Das Hobbit-Cover wäre ja noch einigermaßen annehmbar, wenn die Photoshop-Ästhetik und der seltsame Turm im Hintergrund nicht wären. (Weiß jemand, was der darstellen soll?)
Aber das Silmarillion-Cover toppt ja wirklich alles! Wenn man sich vorstellt, was so ein Cover für eine Verwirrung beim nicht Tolkien-kundigen Leser auslösen kann, wenn er den Inhalt liest ...

Naja, man sieht ja auch, welche Technik - nämlich Photoshop und Grafiktablett - benutzt wurde, darum geht's nicht. Ich weiß auch nicht recht, was ich davon halten soll, vielleicht bin ich da auch etwas altmodisch, aber ich bin der festen Meinung, dass die Technik ganz wesentlich den Inhalt der Darstellung beeinflusst. Und mit der beschriebenen Technik sind eben weiche Übergänge und bombastisch pompös wirkende Aussichten und Ornamente spielend leicht zu fertigen - wenn man darin geübt ist. Das ist wie mit den Markern, die im Produktdesignbereich gern genutzt werden und die m.E. den Designer viel zu oft zu glatten, "cleanen" spiegelnden Oberflächen "verführen", die in der Zeichnung umwerfend ausschauen und im Produkt einfach nur billig. Ich muss auch gestehen, dass ich einen viel tieferen Zugang zu dem habe, was ich auf dem Papier entwerfe, als zu dem am Computer entworfenen. Eben weil man viel mehr Sorgfalt und Konzentration braucht und es kein Strg + Z gibt.

Ich weiß leider nicht, ob die beiden Cover von Ebert sind, ich hab sie auch selber nicht, aber ich würde spontan schon annehmen, dass es so ist, vom Stil her. Obwohl, sie scheinen ein wenig weicher zu sein als die Bilder von Eberts Kalender, die ja doch recht robust daherkommen. Aber vielleicht ist das auch nur der Technik geschuldet.
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19

Dienstag, 2. September 2014, 10:36

Also, diese mysteriöse Turmkonstruktion findet sich auch in dieser Ausgabe des dtv-Hobbit von 2012 (Siehe hier!). Soll das vielleicht Bruchtal sein, oder eine Verbildlichung von den fremden Ländern, von denen Bilbo Beutlin zu Beginn der Geschichte nach dem Zwergenlied träumt? :skeptisch:

Ich bin mir bei dieser Ausgabe des Tolkien-Lesebuch von 2012 auch nicht sicher, ob beabsichtigt war, dass man auf dem Fluss einen Frachter sieht (Siehe hier!)... :aehm:

Ich muss zugeben, dass ich vielleicht, nach inzwischen vier Jahren Kunstgeschichtsstudium, in meinem Geschmak und meiner Definition von Ästhetik, etwas durch den "alten Kram" geprägt bin. Ich werde mit dieser reinen, glatten, sauberen und pompösen Optik neuerer Designs einfach nicht warm. Es sieht im Endeffekt, wie du ja bereits geschrieben hast, auf dem Papier einfach nur billig aus. Was als Grafik auf dem Computer mit Bildschirmbeleuchtung und HD-Monitor klasse wirkt, tut dies nicht unbedingt als Umschlag eines Buches. Die Diskrepanz, die darin begründet liegt, dass die Designer etwas in einer nicht fassbaren Technik für ein fassbares Medium entwerfen, führt zu dem Versuch einer Übertragung virtueller Ästhetik auf reale Ästhetik. Die Cover wirken dann einfach nur kalt und "too much"...

Bei den Covern der broschierten Ausgaben, fühlte ich mich eben auch an Dietrich Ebert erinnert. Ich vermute stark, dass sie von ihm stammen. Vielleicht besitzt ja ein stiller Mitleser einer dieser Ausgaben, und kann helfen?
"[...] und ich übersetzte, besessen von dem Gedanken, daß dieses Buch für Zuhörer war und nicht für Leser, daß auch nicht eine Zeile
druckfertig Stilisiertes sein durfte, sondern alles Erzählung sein müsse und Bild um Bild sichtbar vorüberzuziehen hätte."

- Walter Scherf (1920-2010) über seine Übersetzung von The Hobbit.

Heidi

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20

Dienstag, 2. September 2014, 10:43

Hallo Begas,

ich bin begeistert über diese Aufstellung. Sie ist ein tolles Material, um der deutschen Tolkien-Rezeptionsgeschichte ein wichtiges Element hinzuzufügen.

Ich würde gerne wissen, wessen Arbeit ihr besonders schätzt oder auch nicht. Gibt es Cover, die euch besonders ansprechen

Mir geht es im Prinzip auch so, dass die alten Cover für mich mehr Substanz haben, sozusagen etwas Interpretatorisches beinhalten.

Horus Engels Cover von 1957
http://pblancho.free.fr/wanted/kleiner_hobbit.jpg
stellt die Beziehung Gandalf - Bilbo heraus: ein übermächtiger Zauberer mit Autorität und Freundlichkeit, und ein kleiner eingeschüchterter Wicht.
Das ist die Grundstruktur des Werkes, aus dem sich alles entwickelt. Wie es sich entwickelt, erfährt man dann beim Lesen.

Adolf Oehlen von 1967

http://www.tolkienguide.com/pictures/boo…an-1967-med.jpg
stellt ebenfalls eine Grundstruktur heraus, aber eine andere: die Beziehung zwischen Bilbo und Gollum, wenn ich das richtig sehe. Gollum ist aber, wenn das Werk nicht kennt, nur als eine Art unheimlicher, aber gefährlicher Qualle zu erkennen, finde ich. Man sieht nur, dass diese Qualle gefährlich ist. Warum die Bilbo-Figur die Hand aufs Herz legt, was das also ausdrücken soll, ist mir nicht erkennbar.
Im Vergleich zu Engels ist Oehlen nicht so mein Geschmack, und die Aussage, auch wenn sie eine hat, ist mir nicht sehr deutlich. Ich mag aber auch bei Oehlen den Versuch, eine einfach Grundstruktur interpretierend zu finden und zu gestalten.

Heinz Edelmann, 1975,
http://ardapedia.herr-der-ringe-film.de/…608-95034-2.png
versucht sich ebenfalls in der Grundstruktur der (in dem Fall) Fabelhaften Geschichten.
Hier wird diese Struktur in einem Machtverhältnis gesehen:
Auf einer Art Schild getragen wird ein Herrscher, der Flügel hat und an den gefallenen Satan erinnert. Er ist offenbar König und wird von undefinierbaren Untertanen mit Lob-Palmen geehrt. Es erinnert mich ein bisschen an ägyptische Mythen.

Klaus Ensikat, 1974,
http://www.tolkienlibrary.com/translatio…iafiles/l21.jpg
stellt nicht nur eine Beziehung her, sondern zwei.
Unten ist ein undefinierbares Monster, davor eine Mini-Spinne. Die scheint aber keine Angst vor dem Monster zu haben.
Dann haben wir oben Bilbo, der zu dem Bild unten in Beziehung steht. Bilbo ist ein kleiner Bürger mit Zylinder, der irgendwie etwas Clowneskes hat und über die unten gestaltete Bedrohung leichtfüßig zu tänzeln scheint.
Eine Aussage zum Werk ist auch das, obwohl das Bild unten mit Monster und Spinne für mich nichts Erhellendes rüberbringt. Wohl aber liefert der tänzelnde und leicht ironische Typ da oben in Bezug zu dem unteren Bild eine Deutung, wie ich denke.

Dietrich Ebert, 2000,
http://www.tolkienlibrary.com/translatio…iafiles/l21.jpg
gestaltet keine Spannung zwischen zwei Elementen, wie die bisher erwähnten Künstler, sondern setzt auf nur ein Element: das alles bewachende Auge. Keine frage, das kann als Kern des Geschehens im "Herrn der Ringe" gesehen werden.
Gemeinsam mit den anderen Künstern ist die abstrahierende Darstellung, der Versuch, das Wesentilche eines Werkes auf den Punkt zu bringen.

Heinrich Thomas, 1984

http://2.bp.blogspot.com/-mwxFYdzCd4A/UO…00/IMG_1288.JPG
Hier sehe ich eigentlich keine Deutung, sondern nur eine Art Rahmen, der - vielleicht - Überwucherndes ausdrücken soll.
Abstrakt ist es auch, aber ohne sehr deutliche Aussage.

Friedrich Hechelmann, 1987

http://www.booklooker.de/images/cover/us…TQtMzAtMjI4.jpg
Dieses Cover ist gravierend von den bisher erwähnten unterschieden:
Der Begriff "Fantasy", der unter dem Bild steht, scheint mir das Bild selber erzwungen zu haben.
In meinen Augen ist Tolkien keine "Fantasy", wird aber immer stärker dazu getrimmt.
Dieses Cover beschäftigt sich nicht mit einer Grundaussage des Werkes, sondern versucht "Mittelerde" zu vermitteln, eine verträumte und eine in sich in der Ferne verlierende Landschaft.
Das ist natürlich auch eine Aussage, aber eine der Unterhaltungsbranche, wo es darum geht, dass die Leser in eine Traumwelt gezogen werden sollen. Die Aussage des Werkes wird gar nicht erst versucht.
Das scheint Hand in Hand damit zu gehen, dass der Stil eine Art Fotorealismus ist - im Gegensatz zu dem Abstrahierenden der anderen Designer.

Anke Doberauer, 1991
https://fbcdn-sphotos-c-a.akamaihd.net/h…8_7744894_n.jpg
Eine Art Fotorealismus ist das hier auch, denke ich, der Ring wirkt realistisch.
Er wird zwar durch die reine Darstellung dieses einen Elementes zur Reduktion der Handlung auf eben diesen Ring - ist also auch abstrahierend -, aber er enthält keine Deutung. Im Grunde wird nur das Wort des Buchtitels aufgegriffen. Es ist einfach nur eine fotografische Bebilderung. Als wenn man in einem Entenbuch eine Ente auf das Cover malt. Weder eine gedankliche noch künstlerische Leistung.

Rüdiger Trebels, 2001
http://hobbit.gololo.es/gui2/german2101.jpg
Das Bild ist gar nicht so uninteressant. Im ersten Moment dachte ich, es handelt sich um die drei Trolle. Tut es vielleicht auch, aber sie haben alle drei Hörner am Kopf. Sind also keine Teufelchen, möglicherweise. Sie wirken primitiv, sind aber von Naturhaftem umgeben: rankende Pflanzen, einem fliegenden Insekt und einer kriechenden Schnecke, die sogar über den Troll hinwegkriecht.
Auffallend ist, dass der Himmel - der theoretisch auch Wasser sein könnte, finde ich, - Dreiviertel des Covers einnimmt. Das drückt einmal mehr die Erdverbundenheit der drei Wesen unten aus.
Eine Deutung des Werks ist es auf jeden Fall. Ob sie den Kern trifft, weiß ich noch nicht. Aber sie greift eine Szene heraus, die eigenwillig gedeutet wird.
Und wenn man Tolkiens Gesamtwerk nimmt, dann kommt die beschriebene Gesamtgefahr durchaus "von unten", von einer pervertierten Natur.

Birgit Gitschier, 2011
http://www.klett-cotta.de/media/1/9783608938616.jpg
Hier kann man eigentlich Ähnliches sagen wie oben zu Heinrich Thomas, auch wenn es bei Gitschier noch einfallsloser ist:
ein Hintergrund aus Herbstlaub, dazu noch ein paar Ranken.
Klar, die Verschollenen Geschichten handeln von Verfall, aber auch von dem Kampf dagegen.
Das scheint mir auch nur einfach wieder eine gewisse Grundstimmung wiederzugeben, die den Kern verfehlt und den Leser in ein Mittelerdefeeling hineinziehen will, ds gar nicht im Buch vorhanden ist.

Maximilian Meinzold, 2010
http://www.klett-cotta.de/media/1/9783608938180.jpg
Das ist auch eine Art Fotorealismus, wo sich mit dem Kern der Geschichte nicht auseinandergesetzt wird, sondern nur eine relativ unbedeutende Szene - Bilbo ist ja in dem gesamten Werk fast nie zu Hause - gewählt wurde, die auf die Kleinheit der Figur und die Ungewöhnlichkeit der Tür setzt.
Außerdem gibt es wieder die unvermeidlichen "Ranken", die offenbar immer Altertümlichkeit ausdrücken sollen und damit grundlegend, denke ich, Tolkien in die falsche Richtung zwängen.
Er schreibt in Wirklichkeit nirgendwo über Vergangenes, aber damit lockt man Leser an, die gerne in pseudo-altertümliche Welten abtauchen.

Stefan Hilden, 2012

http://www.klett-cotta.de/media/1/9783608938203.jpg
In der Mitte eine Höhle, aus der ein junger Drache lugt.
Das Buch ist "Nachrichten aus Mittelerde", das ja eine Textsammlung ist und kein Roman. Insofern weiß ich nicht, auf was genau das Bild anspielt.
Es könnte die Höhle der Hobbits sein, aber auch die Höhlen, in denen Finsteres brütet. Ganz sicher ist der Höhlengedanke zentral in Tolkiens Werk. Und die Höhle ist sowohl Schutz als auch gefährlich. Man könnte das also als ein zentrales Motiv von "Mittelerde" sein, eine "Nachricht" von Mittelerde. Achtung, Höhlen sind nicht nur Schutz!
Finde ich als Motiv nicht schlecht. Die Mauer, in dem das Loch ist, hat Risse, was auch nicht schlecht ist.
Die Schrift will wieder Altertümliches ausdrücken, auf das ich allmählich schon allergisch reagiere. Denn die auch in den Covern ausgedrückten lauernden Gefahren sind eher Zukunftsmusik. Noch hat die Natur uns nicht wieder verschlungen.

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